Das nächste Internationales Treffen der Freunde des Heimcomputer "Spectrum" 
findet vom 25. bis 26. August im Wittenberger Kulturbund in unserem  Quartier in der Lutherstr 43 a statt, siehe folgende Karte.
Computer aus der Steinzeit
Spectrum-Freunde wieder in Wittenberg

Von unserem Redakteur 
MARCEL DUCLAUD


Schrauben an einem Spectrum: Der Hamburger Marco Ese (links) holt sich bei dem Treffen im Wittenberger Kulturbund Rat bei Klaus-Peter Casper aus Dessau. Seine Fans schätzen an dem altehrwürdigen Gerät nicht zuletzt, dass es auch von Nicht-Experten repariert werden kann.          MZ-Foto:M. Duclaud 
Wittenberg/MZ. Dieter Schäfer schreibt von einem "steinzeitlichen Gerät". Was angesichts der Schnelligkeit, mit der sich Entwicklungen in der Computerbranche vollziehen, wohl nicht ganz falsch ist. Der Chef des Wittenberger Kulturbundes meint den "ZX Spectrum", einen Heimcomputer aus den 80er Jahren.

Dass der, gemessen an moderner Technik vorsintflutliche Datenverarbeiter seine treuen Fans hat, zeigt ein Treffen am vergangenen Wochenende in Wittenberg. Die Spectrum-Freunde kommen von weit her, um sich auszutauschen. Aus Osterreich etwa oder aus den Niederlanden. "Wir sind die letzten Mohikaner", charakterisiert Roelof Koning die Gruppe - und freut sich offenkundig darüber. Natürlich besitzt der Elektroniker aus Groningen auch einen schnellen PC -"und Telefon und Waschmaschine und Trockner". Aber der Heimcomputer "ZX Spectrum", den der Holländer auch in einer russischen Variante mit nach Wittenberg gebracht hat, fasziniert ihn nach wie vor: "Damals, als er heraus kam, hatten sich weltweit eine Menge Leute herausgefordert gefühlt, zu entdecken, was mit dem Gerät alles möglich ist. Zudem: Ich kenne den Spectrum komplett und habe mit ihm kein Bill-Gates-Problem."

Zwar sind es überwiegend ältere Herren, die im Kulturbund vor ihren historischen Maschinen hocken, basteln, Daten eingeben oder fachsimpeln, aber eben nicht nur. Stephan Truppel ist 15 Jahre alt -und gehört schon seit längerem zu den Spectrum-Freunden. Den jungen Mann aus Potsdam beeindruckt, dass normale technische Kenntnisse ausreichen, um mit dem Heimcomputer zu arbeiten: "Mit dem kann man sogar noch eine Eisenbahn steuern."

Nicht zum ersten Mal beim Spectrum-Treffen in Wittenberg dabei ist Manfred Döring aus Stuttgart. Der Mann mit dem langen Bart sitzt gerade vor einem Laptop aus den 90er Jahren, aber natürlich besitzt auch er die ganz alten Modelle. "Ich habe seit 1981 einen ZX 81, damals für 161 DM als Bausatz erworben. Den kenne ich in- und auswendig."
Wie sein Gegenüber, Norbert Opitz aus Wittenberg. Er ist es, der die Zusammenkünfte organisiert. Seit den 80er Jahren gehört Opitz zu den Wittenberger Computerfreunden, die bereits am 22. März 1987 einen offiziellen Club heim Kulturbund gründeten. Was die Genossen damals heftig irritierte. Es handelte sich schließlich überwiegend um Besitzer von West-Computern. Die SED-Kreisleitung fragte die SEDBezirksleitung, die war, so heißt es heute, ratlos und habe den Bau von Robotern empfohlen. Woraus nichts wurde. Rund 100 Computer-Freunde meldeten sich zur Eröffnung des Clubs, der laut Schäfer bald zum Beratungszentrum im Kreis avancierte. Es gibt den Computerclub, wenngleich mit weit weniger Mitgliedern, noch immer.

Opitz, der am Wochenende Stunden mit seinem ZX Spectrum zubringen kann, zieht einen Vergleich zu Oldtimern: Es ist beim PC wie bei Autos, entweder sie funktionieren oder sie funktionieren nicht. Bei den alten Modellen aber kann man noch dran basteln und sie reparieren." Er hat auf die moderne Ausrüstung im übrigen lange verzichtet. Erst der Austausch mit den Spectrum-Freunden von weither brachte ihn zur neueren Technik: "Per E-Mail geht das doch besser."

 Ende des Zeitungsartikels 


Spectrumfreunde am 2.September 2007 vor dem Kulturbund Wittenberg